Wie schreibe ich ein reizvolles Abstract?

Ein Abstract ist gewissermaßen das Bewerbungsschreiben deiner Abschlussarbeit. Es dient dazu, sich einen ersten Überblick über deine Arbeit zu machen und sich so zu überlegen, ob es sich lohnt deine Arbeit zu lesen. Außerdem legst Du mit deinem Abstract auch die Zielgruppe für deine Arbeit fest.
Daher soll das Abstract nicht nur zum Weiterlesen anregen, sondern explizit aufzählen, was deine Arbeit beinhaltet und welchen Mehrwert es bietet, wenn man deine Arbeit liest.

Doch wie schreibst Du nun ein Abstract? Bevor Du anfängst zu schreiben, solltest Du dir die folgenden Fragen beantworten:

  • Was hast Du in deiner Arbeit behandelt? Thema? Forschungsfrage? Problemstellung?
  • Wie bist Du methodisch vorgegangen?
  • Welche Ergebnisse hast Du in deiner Abschlussarbeit herausgefunden?
  • Welche Bedeutung haben die Ergebnisse deiner Abschlussarbeit in einem größeren Kontext? Wie sind die Ergebnisse zu interpretieren? Wie sieht der Beitrag zu den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus?

Es reicht, wenn Du diese Fragen für dich zunächst in Stichpunkten beantwortest. Wichtig ist dabei, dass dein Abstract auch von Personen mit keinerlei Vorkenntnissen verstanden werden soll. Daher sollte das Abstract so einfach und verständlich wie möglich formuliert sein. Versuche daher, schon deine Stichpunkte verständlich und einfach zugänglich zu formulieren. Falls Du bestimmte Fremdwörter in deinem Abstract nicht vereinfachen kannst, versuche diese kurz zu erklären oder Beispiele zu liefern, so werden auch komplizierte Fremdwörter oder Fachbegriffe verständlicher.

Was macht ein Abstract aus?


  • Länge deines Abstracts: typischerweise ca. 150-250 Wörter – Hierbei solltest Du dich jedoch genau an die Angaben deiner Betreuungsperson und des Lehrstuhls halten. Bei deinem Abstract gilt auch der Grundsatz in der Kürze liegt die Würze – so muss nicht jedes Detail deiner Abschlussarbeit auch in deinem Abstract auftauchen. Es geht vielmehr darum, Anreize zu schaffen, deine Arbeit zu lesen.
  • Zeitform: Präsens
  • Keywords: Üblicherweise folgen nach dem Abstract 4-5 Keywords, also Schlagwörter, die eine Suche und thematischer Einordnung deiner Arbeit erleichtern.
  • Deutsch oder Englisch? Das Abstract schreibst Du in der Regel in der selben Sprache wie deine Abschlussarbeit. Falls Du dir unsicher bist, frage bei deinem Dozenten nach. Manchmal kann es sein, dass Du ein zusätzliches Abstract in englischer Sprache verfassen sollst, auch wenn Du deine Arbeit und das Abstract in deutscher Sprache verfasst hast.
  • Zeitpunkt: Das Abstract schreibst Du ganz zum Schluss. Denn es soll deine gesamte Arbeit zusammenfassen können.
  • Wo kommt das Abstract hin: Das Abstract heftest Du, sofern vom Dozenten nicht anders gewünscht, zwischen Deckblatt und Inhaltsverzeichnis

Auf den ersten Blick scheint das Abstract eng verwandt mit Einleitung und Fazit deiner Abschlussarbeit, es gibt jedoch elementare Unterschiede. Während Du im Fazit deiner Abschlussarbeit eine Wertung vornehmen sollst und die Ergebnisse deiner Arbeit zusammenfasst und positionierst, gibst Du in deinem Abstract nur sachlich wieder, was Du untersuchst. Dabei beschreibst Du, was Du herausgefunden hast und wie Du methodisch vorgegangen bist – frei von jedweder Bewertung. Versuche trotzdem, dein Abstract so zu gestalten, dass man Lust hat, deine Arbeit auch zu lesen!

Wie schreibe ich ein Abstract?

Die Formalia für das Abstract sind nun geklärt und die einzelnen Fragen hast Du jetzt schon in Stichpunkten aufgeschrieben, doch wie ist nun ein Abstract genau aufgebaut? Anhand des Abstracts der Bachelorarbeit von Lea Katharina Haffke von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit der publizierten Arbeit „Zur experimentellen Analyse des Zusammenhangs von Feedback, Selbstwirksamkeit und Kreativität“ zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie dein Abstract aufgebaut sein sollte. Folgende Punkte sollten in deinem Abstract vorkommen:

  • Problemstellung – Welches Problem, bzw. welche Forschungslücke hast Du in deiner Abschlussarbeit behandelt? Versuche direkt zu Beginn zunächst zu erklären, in welchem Bereich Du deine Abschlussarbeit geschrieben hast und welches Themengebiet deine Arbeit behandelt. Versuche so einen einfachen Einstieg in dein Abstract zu finden, um direkt im ersten Satz das Thema deiner Arbeit zu erklären.

Kreativität – eine Eigenschaft, die im modernen Arbeitsumfeld als unabdingbar gilt. Trotz der hohen Nachfrage nach kreativen MitarbeiterInnen gibt es jedoch weiterhin keine universale Methode, wie Kreativität im Arbeitskontext wirksam gefördert werden kann. Feedback, als weit verbreitetes Führungsinstrument, ist ein kontextabhängiger Faktor, der Kreativität fördern oder hemmen kann.

  • Forschungsfrage – Anschließend kannst Du das Themengebiet deiner Abschlussarbeit noch weiter eingrenzen und deine genaue Fragestellung der Forschungsfrage erläutern. Hierbei kann es dir helfen, wenn Du in einem Satz versuchst, deine Forschungsfrage zu erklären, eine beliebte Formulierung ist beispielsweise „Ziel dieser Arbeit ist es, ….“

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedingungen unter denen Feedback einen Effekt auf die Kreativität von Personen haben kann, zu untersuchen. Des Weiteren wird betrachtet, welche Bedeutung das psychologische Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung in diesem Wirkungszusammenhang hat.

  • Methodisches Vorgehen – Wie bist Du vorgegangen, um diese Forschungsfrage zu beantworten? Hier erklärst Du kurz, welche Methode und ggf. Daten Du verwendet hast und wie Du damit die Forschungsfrage beantwortest.

Es werden die theoretischen Zusammenhänge zwischen Feedback, Selbstwirksamkeit und Kreativität literaturbasiert aufgearbeitet, um diese anhand der Empirie aus ausgewählten experimentellen Studien zu überprüfen. Abschließend werden zwei eigenständig konzipierte experimentelle Designs vorgestellt, die bestehende Forschungslücken schließen.

  • Ergebnisse – Was hast Du in deiner Abschlussarbeit herausgefunden? Jetzt solltest Du die Ergebnisse deiner Arbeit kurz zusammenfassen, hier reicht es schon, wenn Du auf deine Forschungsfrage Bezug nimmst und erklärst, ob diese bestätigt oder verneint wird, oder ob Du Besonderheiten herausgefunden hast.

Die Ergebnisse zeigen, dass Feedback Informationen über die Anforderungen von kreativen Aufgaben vermittelt und daher einen positiven Effekt auf die Kreativität hat. Darüber hinaussteigert Feedback die intrinsische Aufgabenmotivation, welche als wichtiger Vorläufer von Kreativität angesehen wird. Diese kreativitätsfördernden Effekte sind jedoch nur unter der Bedingung möglich, dass Feedback informativ und aufgabenbezogen formuliert wird.

  • Bedeutung der Ergebnisse – Nun ist es wichtig, deine Ergebnisse in einen größeren Kontext einzubetten. Wie sind die Ergebnisse deiner Abschlussarbeit zu interpretieren? Diesen Teil deines Abstracts solltest Du keinesfalls vernachlässigen, denn dies ist vor allem für Forscher*innen (und ggf. Leser*innen aus der Praxis) interessant, wenn diese überlegen, deine Arbeit zu lesen.

Hier findest Du noch einmal das gesamte Abstract: 

Kreativität – eine Eigenschaft, die im modernen Arbeitsumfeld als unabdingbar gilt. Trotz der hohen Nachfrage nach kreativen MitarbeiterInnen gibt es jedoch weiterhin keine universale Methode, wie Kreativität im Arbeitskontext wirksam gefördert werden kann. Feedback, als weit verbreitetes Führungsinstrument, ist ein kontextabhängiger Faktor, der Kreativität fördern oder hemmen kann. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedingungen unter denen Feedback einen Effekt auf die Kreativität von Personen haben kann, zu untersuchen. Des Weiteren wird betrachtet, welche Bedeutung das psychologische Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung in diesem Wirkungszusammenhang hat. Es werden die theoretischen Zusammenhänge zwischen Feedback, Selbstwirksamkeit und Kreativität literaturbasiert aufgearbeitet, um diese anhand der Empirie aus ausgewählten experimentellen Studien zu überprüfen. Abschließend werden zwei eigenständig konzipierte experimentelle Designs vorgestellt, die bestehende Forschungslücken schließen. Die Ergebnisse zeigen, dass Feedback Informationen über die Anforderungen von kreativen Aufgaben vermittelt und daher einen positiven Effekt auf die Kreativität hat. Darüber hinaussteigert Feedback die intrinsische Aufgabenmotivation, welche als wichtiger Vorläufer von Kreativität angesehen wird. Diese kreativitätsfördernden Effekte sind jedoch nur unter der Bedingung möglich, dass Feedback informativ und aufgabenbezogen formuliert wird.

Keywords: Kreativität, Feedback, Selbstwirksamkeit


Beispiel – Abstracts

Nun weißt Du, welche Aspekte dein Abstract beinhalten sollte. Als Anhaltspunkt kannst Du dir auch bisherige Abstracts durchlesen – unsere JUMS-Autoren veröffentlichen auch zu ihren publizierten Arbeiten ein Abstract.  Hier findest Du einige Abstracts, die Du zunächst durchlesen kannst, um ein Gefühl für Aufbau und Stil zu bekommen.

  • Abstract: Der Einfluss von CEO Duality auf die Bewertung von Schweizer Unternehmen von Raphael Uster, Universität Zürich (Bachelorarbeit)
  • Abstract: Extending Kolkata Paise Restaurant Problem to Dynamic Matching in Mobility Markets von Layla Martin, Technische Universität München (Masterarbeit)
  • Abstract: Living is Easy with Eyes closed – Strategische Unwissenheit und eigennütziges Verhalten von Christiane Czech, Karlsruher Institut für Technologie (Bachelorarbeit)

Nun hast Du viele Informationen bekommen, wie ein Abstract aufgebaut ist und welche Information in dieses hineingehören. Falls Du dir noch unsicher bist, wie Du mit deinem Abstract beginnen sollst, beantworte erst einmal in Stichpunkten die Fragen oben.

Tipp: Gib dein Abstract auch Bekannten, die nicht aus dem BWL-Kontext kommen und frage nach, ob das Abstract für sie verständlich war. Du kannst auch darum bitten, dass die Leser*innen dir anschließend in Stichpunkten aufschreiben, was sie verstanden haben, was Du in deiner Arbeit untersucht hast.


Wir hoffen, Dir haben unsere Tipps für die Erstellung deines Abstracts weitergeholfen. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Erstellung deiner Abschlussarbeit!