JUMS trifft … Bernhard Guetz

JUMS trifft … Bernhard Guetz

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, und unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Bernhard Guetz, Master-Absolvent der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, getroffen, dessen Masterarbeit „Konzeptualisierung und Operationalisierung von Patientenzufriedenheit mit Hausärztinnen und Hausärzten.”  in der 8. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Bernhard Guetz

Titel der Arbeit: Konzeptualisierung und Operationalisierung von Patientenzufriedenheit mit Hausärztinnen und Hausärzten

Art der Arbeit, Hochschule: Masterarbeit, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Aktuelle Tätigkeiten: Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt & Backoffice Manager für die Bereiche Marketing, Finance & Accounting bei Solarertrag e.U.

JUMS-Ausgabe: Junior Management Science 3(3), 2018, 106-145

Artikel-Seite: https://jums.academy/b-guetz/

Interview

JUMS: Lieber Bernhard, wie bist Du zum Thema deiner Abschlussarbeit gekommen? Für Betriebswirte klingt das Thema Patientenzufriedenheit zunächst außergewöhnlich!

Bernhard Guetz: Das stimmt natürlich, von selbst wäre ich wohl eher nicht auf so ein Thema gekommen. An der Abteilung für Marketing und internationales Management, bei welcher ich einen Studienschwerpunkt gesetzt hatte, wurden bereits grobe Themenbereiche vorgegeben und weil ich schon früher beruflich häufig mit dem Thema Kundenzufriedenheit zu tun hatte, war mir das Thema Patientenzufriedenheit natürlich gleich symphatisch.

JUMS: Weshalb rückt die Messung der Patientenzufriedenheit „erst jetzt“ in den Fokus der Wissenschaft?

Bernhard Guetz: In meiner Masterarbeit habe ich unter anderem den Patient Satisfaction Questionnaire, als Instrument zur Messung der Patientenzufriedenheit vorgestellt. Wenn man sich vor Augen hält, dass dieser bereits Mitte der Siebziger Jahre entwickelt wurde wird erst deutlich, dass Patientenzufriedenheit doch ein Thema zu sein scheint, welches schon länger eine gewisse Erkenntnissinteresse hervorruft. Verfolgt man natürlich die Publikationen, die in jüngerer Vergangenheit erschienen sind, kommt einem schon vor, dass die Erforschung der Patientenzufriedenheit immer stärker in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen rückt. Ich denke das hängt vor allem mit zwei Entwicklungen zusammen. Einerseits an der Verschiebung von der paternalistischen Medizin zur Patientenpartnerschaft – also von der Entwicklung vom Patienten der einem „Gott in Weiß“ gegenübersitzt hin zum selbstbestimmten Patienten und andererseits an den Informations- und- Bewertungsmöglichkeiten die uns die vernetzte Welt bietet. Beispielsweise bieten Ärztebewertungsportale eine immense Datengrundlage für wissenschaftliche Untersuchungen und Ärztinnen und Ärzte sind natürlich durch die offengelegte Reputation auch gezwungen auf die Patientenwahrnehmung zu reagieren.

JUMS: In wenigen Worten: Was sind die Kernergebnisse deiner Masterarbeit?

Bernhard Guetz: Dass Patientenzufriedenheit zwar grundsätzlich mit Hilfe von etablierten Zufriedenheitsmodellen erklärt werden kann, diese jedoch nicht ausreichen, um das Thema ausreichend zu erfassen bzw. dass „klassische“ Modelle, in diesem Bereich, nicht in allgemein anwendbar sind. Man denke nur an einen Notfall, da ist die Sympathie relativ unwichtig, wichtig ist das Behandlungsergebnis. Im ersten Teil der Arbeit habe ich mich mit etablierten Skalen zur Messung der Patientenzufriedenheit beschäftigt. Hierbei konnte ich feststellen, dass sich die Zufriedenheitsfaktoren, wenn auch in Anzahl und Dichte unterschiedlich, sehr gut den Gruppen der Potential- Prozess- und Ergebnisdimension zuordnen lassen. Die Potentialdimension wäre hier etwas, was schon vor der Behandlung vorhanden sein muss, um während der Behandlung Zufriedenheit auszulösen (z.B. die Fachkenntnis), die Prozessdimension beschreibt Zufriedenheitsfaktoren, welche während des Behandlungsprozesses tragend werden (z.B. die Wartezeit im Warteraum) und die Ergebnisdimension, summiert Zufriedenheitsfaktoren welche das Ergebnis betreffen. Natürlich steht hier das Behandlungsergebnis im Vordergrund, vor allem in US- amerikanischen Studien, spielen aber auch die Behandlungskosten immer wieder eine wichtige Rolle. Im letzten Teil der Arbeit habe ich dann noch unterschiedliche Methoden zur Messung von Patientenzufriedenheit vorgestellt. Interessant war hier vor allem wie Forscher bei der Messung vorgegangen sind und dass wirklich sehr vielen Studien mit Hilfe unterschiedlichster quantitativer, aber auch qualitativer, Methoden durchgeführt wurden.

JUMS: Du hast die für eine Einreichung bei unserem wissenschaftlichen Journal Junior Management Science entschieden. Was hat dich dazu motiviert?

Bernhard Guetz: Ich habe im Vorfeld über die sozialen Medien von Junior Management Science erfahren und war sofort begeistert. Die Möglichkeit Abschlussarbeiten in dieser Form zu veröffentlichen, war mir vorher einfach nicht bekannt gewesen. Als ich mir das Journal, den Reviewprozess und das professionelle Layout angesehen hatte, war mir dann klar, dass ich (falls ich selbst der Meinung wäre, dass meine Abschlussarbeit gelungen ist) meine Arbeit bei Junior Management Science einreichen werde. Das Thema lag mir dann während dem Schreiben schon relativ gut und nach zig Änderungen von Kleinigkeiten war ich dann auch der Meinung, dass die Arbeit gut gelungen ist. Vor der Einreichung habe ich aber trotzdem noch auf die Bewertung und das Feedback von der Universität gewartet, einfach um sicherzugehen, dass andere das Niveau der Arbeit auch hoch einstufen.

JUMS: Du hast dich nach Beendigung deines Master-Studiums für einen weiteren Schritt in die Wissenschaft entschieden und hast ein Doktoratsstudium begonnen. Was hat dich dazu bewegt, eine Promotion anzustreben – und was macht ein Doktoratsstudium in Österreich besonders?

Bernhard Guetz: Das hätte ich vor einigen Jahren auch nicht geglaubt, dass ich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlage. Ich komme ja grundsätzlich aus der Privatwirtschaft und habe mein (Bachelor-) Studium ganz klar vor dem Hintergrund begonnen, dort bessere Möglichkeiten wie ein höheres Gehalt oder eine angemessene Work- Life Balance zu erhalten. Man kann sich ja vorstellen wie ich mit dieser Einstellung im ersten wissenschaftlichen Kurs (damals noch an der Fachhochschule Kärnten) gesessen bin. Mit der Zeit habe ich aber richtige Freude an wissenschaftlicher Arbeit bekommen und möchte jetzt eben gerne noch mehr in die Richtung machen. Was ein Doktoratsstudium in Österreich von anderen unterscheidet kann ich leider nicht beantworten, da fehlen mir die Vergleichswerte. Für das Doktoratsprogramm `Health, Science, and Social Responsibility Communication and Management` habe ich mich jedenfalls entschieden, weil es relativ neu und innovativ ist und mit seinen Schwerpunkten natürlich sehr gut meine Interessensgebiete abdeckt.

JUMS: Kommen wir zu deinem Lebenslauf: Über Umwege hast du den Weg in die Wissenschaft gefunden. Gestartet bist du mit einer Lehre. Parallel arbeitest du auch in einem Unternehmen. Wie kam es zu diesem spannenden Weg und gelingt der Spagat zwischen Forschung und Praxis?

Bernhard Guetz: Naja, in der Jugend tun sich ja bekanntlich viele Leute etwas schwerer. So kam es auch, dass ich den mir vorbestimmten Weg mit Matura (Abitur/Reifeprüfung) und Studium nicht direkt bestreiten konnte, weil mein vierzehnjähriges Ich überhaupt nichts von Vektoren, kubischen Gleichungen oder Plattentektonik wissen wollte. Ich war dann mit den meisten Sachen die ich beruflich gemacht habe eine Zeit lang sehr zufrieden, nur kam ich dann irgendwann immer an einen Punkt, an dem es so aussah als würde es nicht mehr weiter gehen. Um mich in meiner Branche weiterzubilden, habe ich dann angefangen abends die Handelsakademie zu besuchen und ein paar Jahre später hatte ich dann die Aufnahmezusage der Fachhochschule Kärnten in Händen. Der Rest war dann wieder relativ logisch mit Bachelorstudium an der Fachhochschule – Masterstudium an der Universität und weil es mir die letzten Jahre so gefallen hat – jetzt eben noch ein Doktorat. Weil ich aber natürlich an ein Vollzeitgehalt gewöhnt war musste ich mein Stipendium irgendwie aufstocken und deshalb bin ich wirklich sehr froh darüber, die Möglichkeit erhalten zu haben, bei Solarertrag e.U. die Bereiche Marketing, Finance & Accounting zu übernehmen. Vielleicht noch kurz zum Spagat zwischen Forschung und Praxis: Ich habe ja eher anwendungsorientierte Studienfächer gewählt und da war der Unterschied nicht so groß wie bei sehr theoretisch angelegten Instituten, die hauptsächlich Grundlagenforschung betreiben. Trotzdem verstehe ich natürlich, dass Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen schwerer begreifbar sein könnten als beispielsweise Antworten auf angewandt wirtschaftliche Fragestellungen. Mir kommt aber vor, dass sich hier Praktiker und Theoretiker in letzter Zeit immer mehr annähern und dass diese (wenn es so weitergeht) durchaus positive Synergieeffekte erzielen können.

JUMS: Womit befasst du dich in deiner Promotion? Wie haben dir deine Erfahrungen aus der Masterarbeit beim Start in die Forschung geholfen?

Bernhard Guetz: Da ich in meiner Bachelorarbeit Social Media Monitoring Tools untersucht habe und danach beim Thema Patientenzufriedenheit gelandet bin, war der nächste logische Schritt die Erforschung von Ärztebewertungsportalen. Hier werde ich wohl mehrere Studien durchführen über deren Inhalt ich jedoch noch nicht so viel verraten möchte. Unter anderem geht es aber beispielsweise um die Vertrauenswürdigkeit von Ärztebewertungsportalen. Meine Masterarbeit hat mir hier natürlich sehr geholfen, weil ich schon einiges über Patientenzufriedenheit wusste, man muss aber auch beachten, dass in der digitalisierten Welt ganz andere Faktoren als die individuelle Zufriedenheit eine Rolle spielen können.

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, nun zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”

Bernhard Guetz:   …den Beginn einer neuen Phase, die durch Freude und Leid geprägt ist, aus welcher man am Ende aber deutlich gestärkt hervorgeht.“

JUMS: Vielen Dank, lieber Bernhard, für die interessanten Einblicke. Wir wünschen dir für deine weitere wissenschaftliche Zukunft viel Erfolg!

2018-10-31T11:15:50+00:00