JUMS trifft … Carina Brettschneider

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Carina Brettschneider von der Ludwig-Maximilians-Universität München getroffen, deren Bachelorarbeit: „R&D Accounting Discretion as an Income Smoothing Tool: An Empirical Analysis of German Listed Companies “ in der 11. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Carina Brettschneider

Titel der Arbeit:

R&D Accounting Discretion as an Income Smoothing Tool: An Empirical Analysis of German Listed Companies 

Art der Arbeit, Hochschule:

Bachelorarbeit, Ludwig-Maximilians-Universität München

Aktuelle Tätigkeiten:

Masterstudentin & Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung an der LMU München

JUMS-Ausgabe:

Junior Management Science 4 (2), 2019, 151-172

Artikel-Seite:

 https://jums.academy/c-brettschneider 

 

Interview

JUMS: Liebe Carina, Du hast in deiner Arbeit untersucht, welchen Ermessensspielraum Unternehmen bei der F&E Rechnungslegung als Instrument zur Einkommensglättung haben, wie bist Du auf dieses Thema gekommen?
Carina Brettschneider: Mir war von Anfang an klar, dass ich mich mit einem eigenen Themenvorschlag beschäftigen möchte, anstatt an einer vorgefertigten Fragestellung zu arbeiten. Für mich war es wichtig, mich mit dem Thema identifizieren zu können und voll dahinter zu stehen. Also habe ich die aktuellen Ausgaben verschiedener Journals im Accounting Bereich durchforstet und bin so auf die Relevanz des R&D Themas gestoßen, das mich sofort fasziniert hat. Als nächstes habe ich dann versucht, mir ein Setting und eine geeignete Fragestellung zu überlegen, die sich im Rahmen der Bachelorarbeit umsetzen lässt und dies dann mit meinem Betreuer besprochen. 

 


JUMS: Du beschreibst, dass es für Unternehmen eher kontraproduktiv ist, wenn diese in Zeiten niedriger Rentabilität ihre Ausgaben für Forschung & Entwicklung reduzieren. Kannst Du kurz erklären wieso?
Carina Brettschneider: Im Kontext meiner Arbeit beschreibt diese Situation einen klassischen Fall des real earnings managements. Können Firmen nicht über periodenspezifische Ergebnissteuerung ihre R&D Ausgaben von der GuV in die Bilanz „verschieben“ (siehe IFRS), um ihre Profitabilität zu verbessern, werden sie ihre Investitionen in R&D selbst reduzieren, wie es bei der aktuellen Rechtslage im US-GAAP passieren könnte. Das hilft vielleicht kurzfristig die Profitabilität (Return on Assets) zu steigern, ist langfristig gesehen jedoch kontraproduktiv, da Firmen mit niedriger Profitabilität genau jene Investitionen benötigen, um ihr Business nachhaltig wieder in die Erfolgsspur zu führen und wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dass R&D Investitionen heutzutage ein maßgeblicher und unerlässlicher Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens sind, zeigt auch der Trend weg von einer reinen produktions-, hin zur wissensbasierten Wirtschaft, in der ein Großteil des Unternehmenswertes von immateriellen Vermögensgegenständen bestimmt wird. 

 

JUMS: Um den technologiebedingten Strukturwandel zu bewältigen, ist die Zusammenarbeit zwischen Politik und Unternehmen, deiner Meinung nach, nötig. Was wünscht Du dir in dieser Hinsicht?
Carina Brettschneider: In diesem Zusammenhang spielt, meiner Meinung nach, der Dialog zwischen den betroffenen Parteien eine entscheidende Rolle. Die Politik sollte besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingehen und derartige Investitionen stärker subventionieren, um im internationalen Vergleich nicht abzufallen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist vor allem für kleinere Unternehmen besonders wichtig, da diese oft nicht genügend eigene Mittel besitzen, um ausreichend in R&D investieren zu können. Gerade die Bereiche künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit sind meiner Ansicht nach Kernthemen der Zukunft, die die Wirtschaft und Gesellschaft die nächsten Jahre maßgeblich beeinflussen werden. Dies macht Investitionen in die Erforschung dieser Themengebiete unbedingt nötig, um sich im internationalen Markt zu etablieren.  Jedoch sollten nicht nur Politik und Unternehmen, sondern auch Standard Setter in den Diskurs aufgenommen werden. Wie R&D bilanziert werden muss/darf, spielt eine entscheidende Rolle für das Investitionsverhalten der Unternehmen. Regelmäßige, auch internationale, Treffen der drei Parteien wären ein erster Schritt in die richtige Richtung, um gemeinsam den technologiebedingten Strukturwandel erfolgreich zu meistern. 

 

JUMS: Was würdest Du anderen Studenten im Vorfeld ihrer Bachelor- bzw. Masterarbeit empfehlen? Worauf müssen sie achten und was waren für dich Herausforderungen?
Carina Brettschneider: Meine Empfehlung im Vorfeld der Bachelor- bzw. Masterarbeit ist, sich ausreichend Zeit für die Themenfindung zu nehmen. Nur wenn ihr komplett hinter dem Thema steht und euch zu 100 % damit identifiziert, hat man Spaß an der Bearbeitung und kann so die maximal mögliche Leistung erbringen. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, sich bereits im Vorfeld Gedanken über das Forschungsdesign zu machen und dieses gründlich zu überdenken, da dies entscheidend für den roten Faden und den Erfolg der Arbeit ist. Das heißt, überlegt euch, welche Daten ihr verwenden wollt und wie ihr an diese kommt, welche Methodik sinnvoll ist und wo ihr unter Umständen auf Probleme stoßen könntet.
Behaltet bei euren gesamten Überlegungen immer zwei Dinge im Kopf: Was ist die Relevanz und was der Beitrag zur aktuellen Literatur? Nach diesen Fragen sollte sich auch eure Arbeit aufbauen.
Gerade in der Bachelorarbeit ist die Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten noch ziemlich gering. Deshalb empfehle ich immer im Austausch mit anderen Kommilitonen zu stehen, mit diesen über Probleme zu sprechen und so zu Lösungen zu kommen. Zudem gibt es eine Reihe hilfreicher Literatur und Anleitungen, die in Zeiten des Internets für jeden leicht zugänglich sind. 

 

JUMS: Wieso bist Du auf die Idee gekommen, deine Abschlussarbeit bei JUMS einzureichen?
Carina Brettschneider: Ich habe über Werbung an unserer Universität von JUMS erfahren und fand das Konzept, Abschlussarbeiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wirklich gut. Besonders interessierte mich der Double-blind Review Prozess, da ich gerne wissen wollte, wie Andere meine Arbeit objektiv bewerten, um nochmals mehr Feedback bezüglich meiner Stärken und Schwächen zu bekommen. Außerdem kam mein Professor auf mich zu und machte mich auf die Möglichkeit, meine Arbeit bei JUMS einzureichen, aufmerksam. Dass es nun geklappt hat und meine Arbeit veröffentlicht wurde, freut mich natürlich sehr. 

 


JUMS: Du hast deinen Bachelorabschluss gemacht, steht für Dich jetzt der Master an oder was sind deine Pläne?

Carina Brettschneider: Ich bin aktuell im zweiten Mastersemester (M.Sc.) an der LMU und werde im Oktober über das Y-Modell in den Master of Business Research wechseln und meine Promotion am Lehrstuhl für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung an der LMU beginnen, da mir das wissenschaftliche Arbeiten und Forschen sehr viel Spaß macht und ich mich in diesem Bereich gerne noch weiterentwickeln möchte. Das wird nun nochmals ca. 4 Jahre in Anspruch nehmen. Wie es danach weiter geht, weiß ich allerdings noch nicht. 

 

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”
Carina Brettschneider: über sich selbst hinauszuwachsen. 

 

JUMS: Vielen Dank, liebe Carina, für die interessanten Einblicke in deine Arbeit und deine Tipps du unsere Leserinnen und Lesern. Wir wünschen dir für deine weitere Zukunft viel Erfolg!