JUMS trifft … Lukas Erhard

JUMS trifft … Lukas Erhard

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, und unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Lukas Erhard, Master-Absolvent der Technischen Universität München, getroffen, dessen Masterarbeit „The Effects of Battery Storage on Risk and Cost of Capital of Wind Park Investments.” in der 8. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Lukas Erhard

Titel der Arbeit:

The Effects of Battery Storage on Risk and Cost of Capital of Wind Park Investments.

Art der Arbeit, Hochschule:

Masterarbeit, Technische Universität München

Aktuelle Tätigkeiten:

Controller (Automobilhersteller)

JUMS-Ausgabe:

Junior Management Science 3(3), 2018, 74-105

Artikel-Seite:

https://jums.academy/l-erhard/

Interview

JUMS: Lieber Lukas, beim Thema Controlling denkt man zunächst nicht an Windparks und Batterien. Wie bist Du zum Thema deiner Abschlussarbeit gekommen?

Lukas Erhard: Ich interessiere mich sehr für Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien, Klimaschutz, aber auch für Controlling, wirtschaftliche Zusammenhänge und Politik. Mein Betreuer, den ich bereits durch ein Seminar kannte, forscht auf dem Gebiet der Energiemärkte und erneuerbarer Energien in Zusammenarbeit mit dem Center for Energy Markets der TUM und hat mir das Thema vorgeschlagen.

 

JUMS: Deutschland hat sich ambitionierte Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen gesetzt. Erneuerbare Energien spielen dabei eine wesentliche Rolle. Welche Vorteile bringt die Kombination von Windkraft und Batteriespeichern?

Lukas Erhard: Der zentrale Vorteil liegt in der besseren Steuer- und Planbarkeit des Outputs eines Windparks. Strom aus regenerativen Quellen wird häufig noch über eine Einspeisevergütung verkauft. Dadurch ist die Stromerzeugung losgelöst von den Marktmechanismen. Energie wird einfach erzeugt – beispielsweise, wenn der Wind weht – und in das Netz eingespeist, auch wenn gerade keine Nachfrage besteht und Preise an der Strombörse möglicherweise sehr niedrig sind. Nachdem erneuerbare Energiequellen eine gewisse Reife erreicht haben, sollten Förderungen aus öffentlichen Mitteln nicht mehr nötig sein.

 

JUMS: Welche Erkenntnisse konntest du in deiner Arbeit gewinnen – kann die Kombination von Windkraft und Batteriespeichern ein Lösungsansatz im Rahmen der Energiewende sein?

Lukas Erhard: Ich denke die Kombination von mehreren regenerativen Energiequellen und Speichertechnologien kann einen großen Teil zur Energiewende beitragen. Die Schwankungen und schlechte Steuerbarkeit, die teilweise als Nachteile erneuerbarer Energiequellen genannt werden, können so verringert werden. Beispielsweise Windparkbetreiber könnten dadurch wettbewerbsfähig am Markt Strom anbieten, ohne stark von Subventionen abhängig zu sein. Die Grenzkosten von Windenergie sind niedriger als bei der konventionellen Stromerzeugung. Ist der Output erneuerbarer Energien zusätzlich durch Speichertechnologien steuerbar und die Erzeugung günstiger, sollten sich diese Stromquellen am Markt durchsetzen können. Eine Erkenntnis bei der Arbeit war, dass der Preis für das Speichern des Stroms einen großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts hat. Bereits in den letzten Jahren sind Preise für Li-Ion Batterien deutlich gesunken und die Verwendung sogenannter Second-Life Batterien, bei denen die Energiedichte für Elektrofahrzeuge nicht mehr ausreichend ist, hat für stationäre Speicher großes Potenzial.

 

JUMS: Welche Implikationen ergeben sich aus deiner Arbeit? Woran müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft arbeiten, um die Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen?

Lukas Erhard: Es wird deutlich, dass die Politik mit verschiedenen Förderregelungen ein mächtiges Instrument zur Incentivierung hat. Es können Anreize für die Wirtschaft geschaffen werden, sich beispielsweise mit Smart Grid zu beschäftigen. Durch die Gestaltung des Energiemarktes können erneuerbare Energien gefördert werden. Beispielsweise würden sich in, im geografischen Sinne, größeren Märkten Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien besser ausgleichen.

Die Betreiber von Windparks und Energieversorger werden sich künftig aufgrund abnehmender Förderumfänge mit einem wachsenden Marktrisiko auseinandersetzen müssen. Hier werden innovative Geschäftsmodelle gefragt sein. Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, muss sich die Wirtschaft allgemein stärker mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinandersetzen. Heutzutage wird teilweise eher aus Marketinggründen als aus Überzeugung investiert. Man hat häufig den Eindruck, dass die genannten Themen hinter der Wirtschaftlichkeit eines Projekts hintenanstehen müssen. Ich erwarte hier einen Wandel.

 

JUMS: Wie hast du dich methodisch diesem interessanten Themenfeld genähert? Was waren für dich wesentliche Herausforderungen?

Lukas Erhard: Ich habe mich zu Beginn vorerst allgemein in bestehende Literatur zu den Themen Energiemärkte, Regulatorik, Virtual Power Plants, Speichertechnologien usw. eingelesen. Hier habe ich relativ schnell gemerkt, dass es sehr viel Literatur zu allgemeineren Themen gibt. Sobald man seine Forschungsfrage definiert hat und sich in einem speziellen Untergebiet eines Themenkomplexes befindet, reduziert sich die Anzahl an Veröffentlichungen stark. An einem bestimmten Punkt, nach Auseinandersetzung mit zahlreichen Artikeln, merkt man, dass man seine Fachkenntnisse vertieft hat und sich bei dem speziellen Thema bereits gut auskennt.
Eine wesentliche Herausforderung war für mich die Modellierung eines Windparks mit Batteriespeichern. Ich habe auf Basis realer Windpark- und Strompreisdaten den Betrieb der Batterie hinsichtlich des Umsatzes in einem deterministischen Optimierungsmodell maximiert und gleichzeitig die Volatilität des Outputs verringert. Anschließend habe ich die Brücke zum Investitionsrisiko eines solchen Projektes geschlagen und verschiedene Sensitivitätsanalysen durchgeführt. Hier war es sehr herausfordernd, plausible Inputgrößen zu finden, da es sich eher um ein Zukunftsthema handelt und Windparks aktuell größtenteils über Einspeisevergütung oder langfristige Preisvereinbarungen verkaufen. Einspeisevergütungen und andere Subventionen sollten in Zukunft reduziert werden. In Folge könnte die Verwendung eines Li-Ion Speichers wirtschaftlich interessant werden. Doch wo wird der Preis für diese Speicherkapazität beispielsweise 2025 liegen? Es gibt zwar Studien mit Prognosen, allerdings nicht für jede Inputgröße. Das war nicht immer einfach.

 

JUMS: Wie geht es für dich nach dem Masterstudium weiter? Ist die betriebswirtschaftliche Wissenschaft eine Option?

Lukas Erhard: Ich hatte tatsächlich darüber nachgedacht, mich im Rahmen einer Promotion noch tiefer mit Themen der Energiewirtschaft zu beschäftigen. Letztendlich habe ich mich allerdings doch für einen Einstieg in der Wirtschaft entschieden. Aktuell arbeite ich im Controlling bei einem Münchner Konzern.

 

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, nun zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”

Lukas Erhard: Sich detailliert mit einem Thema über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Im Gegensatz zu anderen Lehrveranstaltungen hat man die Möglichkeit, sich wirklich tief einzuarbeiten, zu verstehen und auch selbst zu einem Forschungsgebiet beitragen zu können.

 

JUMS: Vielen Dank, lieber Lukas, für die interessanten Einblicke, wie Du zum Thema und der Entwicklung deiner Forschungsfrage gekommen bist. Wir wünschen dir für deine weitere Zukunft viel Erfolg!

2019-01-16T12:02:39+00:00