JUMS trifft … Maximilian Blaschke

JUMS trifft … Maximilian Blaschke

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, und unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Maximilian Blaschke, Master-Absolvent der Technischen Universität München, getroffen, dessen Masterarbeit „The influence of political regulations and market design on energy storage systems” in der 9. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Maximilian Blaschke

Titel der Arbeit:

The influence of political regulations and market design on energy storage systems

Art der Arbeit, Hochschule:

Masterarbeit, Technischen Universität München

Aktuelle Tätigkeiten:

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der TUM School of Management

JUMS-Ausgabe:

Junior Management Science 3(4), 2018, 114-145

Artikel-Seite:

https://jums.academy/m-blaschke/

Interview

JUMS: Lieber Maximilian, in deiner Abschlussarbeit werden u.a. die Auswirkung politischer Regulierung auf Energiespeichersysteme in Deutschland untersucht. Wie bist du zu einer solch interdisziplinären Fragestellung gekommen? 

Maximilian Blaschke: Auf meinem Elternhaus befindet sich seit einigen Jahren eine kleine Photovoltaikanlage. Allerdings konsumieren meine Eltern davon keine einzige Kilowattstunde, sondern speisen den Strom gegen eine Vergütung in das Netz ein. Gleichzeitig wird der Strom für den Haushalt aus dem Netz bezogen. Das hörte sich für mich immer sehr unsinnig an, machte aber aufgrund politisch initiierter Förderungssysteme absolut Sinn. Wieso sollte man also in eine Batterie investieren, um den Eigenverbrauch zu erhöhen? Bei einem Gespräch mit meinem späteren Betreuer Gunther Glenk wurden ähnliche Probleme bei Power-to-Gas Anlagen besprochen. Bestehende politische Fördersysteme machten also teilweise anderen staatlich geförderten Systemen das Leben schwer. Die Masterarbeitsidee war geboren.

 

JUMS: Energiespeicher können in das Stromnetz einspeisen, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Damit können sie eine gewisse Grundlast unseres Strombedarfs zumindest kurzzeitig abdecken. Welche weiteren Gründe gibt es, die für Energiespeicher im Rahmen der Energiewende sprechen?

Maximilian Blaschke: Das ist richtig. Um allerdings Grundlast über längere Zeit im Netz zu decken, bräuchte man gigantische Speicherkapazitäten. Batteriespeicher haben aber insbesondere den Vorteil sehr schneller Reaktionszeiten. Während ein Kraftwerk erst nach und nach die Anlagen hochfahren muss, um Strom bereitzustellen, können Batteriespeicher das in Sekundenschnelle. Ebenso können Speicher Stromüberschüsse schnell aufnehmen. In einem Netz mit einem hohen Anteil erneuerbarer Stromquellen wie Wind und Solar, die wir nicht genau steuern können, sind schnelle Reaktionszeiten sehr wichtig, um das Stromnetz stabil zu halten.

 

JUMS: Welche politische Szenarien hast du dir angeschaut und inwiefern könnten diese den Einsatz von Energiespeichersystemen beeinflussen?

Maximilian Blaschke: Ich habe verschiedene Einspeisetarife für Photovoltaikanlagen, Förderungen für Batteriespeicher und Einspeisebegrenzungen simuliert. Ist der Einspeisetarif hoch, werden Haushalte ihren Strom in das Netz einspeisen, um die Vergütung zu erhalten. Dann macht Eigenverbrauch wenig Sinn. Den Eigenverbrauch durch eine Investition in Batteriespeicher zu erhöhen, ist dann oft nicht rentabel. Da spielen natürlich noch viele weitere Aspekte eine Rolle. Grundsätzlich waren bisher die Einspeisetarife für Sonnenstrom wohl einfach zu hoch und der Strompreis zu niedrig, als dass es sich für die Mehrzahl der Haushalte gelohnt hätte, in Speicher zu investieren. Hohe Einspeisetarife beflügeln also den Bau neuer Photovoltaikanlagen, führen aber zumindest kurzfristig auch dazu, dass Investitionen in Speichersysteme weniger lukrativ sind. Für eine Energiewende wird aber beides gebraucht. Die Anreizmechanismen der Politik haben also auch eine Kehrseite.

 

JUMS: Nach dem erfolgreichen Abschluss deiner Arbeit: Kannst du eine konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik aussprechen, sodass die Energiewende erfolgreich gemeistert wird? Können Energiespeichersysteme einen Beitrag leisten?

Maximilian Blaschke: Neben dem Netzausbau und weiteren Maßnahmen wie Demand Side Management und Sektorkopplung werden Speicher vermutlich eine der wichtigsten Flexibilitätslösungen in einem rein auf erneuerbaren Energien basierenden System. Meine Simulationen beleuchten die Problematik unter gewissen Modellannahmen. Für eine konkrete Handlungsempfehlung müsste man wohl noch weitere Einflüsse berücksichtigen. Dennoch legen meine Ergebnisse nahe, dass ein wirtschaftlicher Betrieb von Solaranlagen und Batteriespeichern unter geringeren Einspeisetarifen schon länger möglich wäre.

 

JUMS: Du versuchst in deiner Masterarbeit, die Forschungsfrage mit einer Simulation zu beantworten. Hierzu braucht es eine Menge an Programmierfähigkeiten und gute Daten. Wie konntest du dir dieses Wissen aneignen?

Maximilian Blaschke: Ich finde, dass man methodisch mit Simulationen eigentlich sehr komfortabel lebt. Da ich mittlerweile selbst Abschlussarbeiten betreue, kann ich hier aus zwei Perspektiven sprechen. Viele Studierende lassen sich von Simulationen abschrecken, weil das Programmieren impliziert. Ich fand das super, weil ich mit meinem Informatikschwerpunkt im Studium bereits die Berührungsängste verloren hatte. Da ich in meiner Freizeit sehr viel programmiere und sowieso versuche mir jedes Jahr eine neue Programmiersprache näher zu bringen, hat das auch viel Spaß gemacht! Aber auch für Neulinge kann die Abschlussarbeit eine super Möglichkeit sein, programmieren zu lernen.

 

JUMS: Im Nachhinein betrachtet: Was ist für dich der größte Unterschied zwischen der Erstellung einer Bachelorarbeit und einer Masterarbeit?

Maximilian Blaschke: Wenn ich zurückdenke, habe ich mich bei der Bachelorarbeit einfach auf das nächstbeste Thema gestürzt. Bei der Masterarbeit habe ich viel genauer überlegt, welcher Bereich und welche Methodik mich interessieren. Die vorangegangenen Überlegungen waren also ein großer Unterschied zwischen den Arbeiten. Wenngleich die Bearbeitung der Bachelorarbeit wesentlich weniger Umfang hatte, so fiel mir die Masterarbeit doch leichter, da ich mich für das Thema mehr begeistern konnte.

 

JUMS: Was sind für Dich die Top-3 Tipps für unsere Leserinnen und Leser zur Erstellung einer erfolgreichen Abschlussarbeit?

Maximilian Blaschke: Selbst bei einem spannenden Thema hat eine Abschlussarbeit oder allgemein die Forschung Höhen und Tiefen. Wenn einen dann das Thema nicht interessiert, wird es schwieriger. Der wichtigste Tipp sollte deshalb sein, sich ein Thema zu suchen, wofür man sich begeistern kann. Wenn sich jemand nur für Fußball oder Autos interessiert und deshalb auf ein solches Thema schielt, möchte ich direkt den zweiten Tipp mitgeben: Überlegt Euch vorher, welche Methodik ihr dort anwenden könnt. Denn das ist neben dem fachlichen Thema ebenso wichtig und kann einem auch den Spaß an einem Thema verderben. Schlussendlich würde ich dazu raten die Arbeit in Pakete und Meilensteine zu gliedern, um den Überblick nicht zu verlieren und auch hin und wieder mal etwas als erledigt abhaken zu können. Das tut einfach gut und bringt immer ein kleines Erfolgsgefühl mit sich.

 

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”

Maximilian Blaschke:sich in etwas Unbekanntes zu stürzen, hin und wieder auch mal zu verzweifeln, sich aber schlussendlich doch in ein Thema zu verlieben.

 

JUMS: Vielen Dank, lieber Maximilian, für die interessanten Einblicke, wie du zum Thema und der Entwicklung deiner Forschungsfrage gekommen bist und welche Tipps du unseren Leserinnen und Lesern geben kannst. Wir wünschen dir für deine weitere Zukunft viel Erfolg!

2019-02-27T10:58:11+00:00