JUMS trifft … Mischa Haberthür

JUMS trifft … Mischa Haberthür

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, und unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Mischa Haberthür, Master-Absolvent der Universität Zürich, getroffen, dessen Masterarbeit “What makes a responsible leader? – An empirical analysis of how personality characteristics affect leadership behaviour.”  in der 8. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Mischa Haberthür

Titel der Arbeit:
What makes a responsible leader? – An empirical analysis of how personality characteristics affect leadership behaviour.

Art der Arbeit, Hochschule:
Masterarbeit, Universität Zürich

Aktuelle Tätigkeiten:
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Universität Zürich

JUMS-Ausgabe:
Junior Management Science 3(3), 2018, 1-37

Artikel-Seite:
https://jums.academy/m-haberthuer/

Interview

JUMS: Lieber Mischa, wie bist Du zum Thema deiner Abschlussarbeit gekommen?

Mischa Haberthür: Meine Forschung war Teil einer grösseren Studie zum Thema „Responsible Leadership“, die von Christian Vögtlin an der Uni Zürich durchgeführt wurde. Ich lernte Christian in einem Seminar zu CSR kennen und wollte meine Arbeit sehr gerne bei ihm schreiben. Er hat mir daraufhin angeboten, bei dieser Studie mitzumachen und einen Teil der erhobenen Daten für meine eigene empirische Analyse zu verwenden. Zuvor hatte ich keine Erfahrung im Bereich „Responsible Leadership“ und wusste ehrlich gesagt nicht einmal, was das überhaupt ist.

JUMS: Deine Arbeit basiert auf der empirischen Auswertung von Daten. Einige Studenten haben Berührungsängste vor statistischen Auswertungen in ihren Abschlussarbeiten. Wie konntest Du dir das notwendige Wissen darüber aneignen?

Mischa Haberthür: Ich hatte selber lange Zeit Mühe mit Statistik, von dem her kann ich diese Berührungsängste gut verstehen. Ich denke, für viele Studierende scheint das Thema einfach zu praxisfern. An der Uni Zürich sitzt man im Assessmentjahr in der Statistikvorlesung und kriegt wahnsinnig viele Formeln vermittelt, ohne dass man wirklich versteht, wofür diese Formeln überhaupt relevant sind. Zum Glück hatten wir im Master noch einmal eine Pflichtvorlesung zu Statistik, in der das Gebiet wesentlich praxisorientierter angegangen wurde und es mehr um das Verständnis als das Rechnen ging. Das hat mir sehr viel geholfen.

Ein großer Teil war auch Learning by Doing. Ich habe während der Arbeit geschaut, was es für eine Regressionsanalyse überhaupt braucht und das schrittweise umgesetzt. Das Schöne an einer quantitativen Analyse ist, dass man viel mit den Daten herumspielen kann. Dieses Möglichkeit zu experimentieren, ohne dass irgendwelche Konsequenzen entstehen, nimmt einem viele Ängste. Moderne Statistikprogramme (ich habe SPSS verwendet) sind zudem meistens sehr benutzerfreundlich und auch für einen mathematischen Amateur wie mich einfach zu bedienen.

JUMS: Was würdest Du anderen Studenten im Vorfeld ihrer Bachelor- bzw. Masterarbeit empfehlen? Worauf müssen sie achten und was waren für dich Herausforderungen?

Mischa Haberthür: Der klassische Ratschlag wäre, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, d. h. ein Thema und eine Methodik zu wählen, mit denen man schon gut vertraut ist. Aber es wäre scheinheilig, wenn ich diesen Rat erteilen würde, denn ich habe ja gerade ein Thema und eine Methodik verwendet, die ich zuvor nicht kannte. Insofern denke ich, die wichtigste Empfehlung ist es, ein Thema zu wählen, dass einem interessant vorkommt, auch wenn das vielleicht mehr Arbeit bedeuten sollte. Lieber mehr Aufwand für etwas, das einen begeistert, als weniger Aufwand für etwas, das einen nur langweilt.

Die Kehrseite ist natürlich, dass man sich damit unter Umständen auf unsicheres Terrain begibt. Meine Statistikkenntnisse waren vor der Arbeit, wie gesagt, ziemlich mies und das nötige Wissen anzueignen hat mich einige Nerven gekostet. Aber ich denke, die Möglichkeiten des Internets haben es uns heutzutage viel einfacher gemacht, ein Thema und eine Methodik auch eigenständig zu erlernen, zumindest sofern man über ein gewisses Grundwissen verfügt.

JUMS: Kommen wir zu deinem Studium. Du hast an der Universität Zürich deinen Bachelor in Management and Economics sowie deinen Master in Business Administration gemacht – weshalb Zürich und der Fokus auf die Betriebswirtschaftslehre?

Mischa Haberthür: Die Wahl der Uni Zürich hatte einerseits pragmatische Gründe – ich bin in Zürich aufgewachsen – andererseits hatte die Uni aber auch einen hervorragenden Ruf, insbesondere im Bereich Volkswirtschaft. Ich wusste lange nicht, ob mich die BWL oder VWL mehr interessiert und hatte daher die Mischform Management and Economics im Bachelor gewählt. Erst als ich meine Bachelorarbeit bei Patrick Haack schrieb – ebenfalls am Lehrstuhl von Professor Scherer – wurde mir bewusst, wie spannend ich CSR und verwandte wirtschaftsethische Themen finde. Entsprechend habe ich mich im Master auf BWL und insbesondere auf Module zu CSR fokussiert.

JUMS: Du hast dich nach Beendigung deines Master-Studiums für einen weiteren Schritt in die Wissenschaft entschieden und promovierst derzeit am BWL-Lehrstuhl von Professor Scherer an der Universität Zürich. Was hat dich dazu bewegt, eine Promotion anzustreben?

Mischa Haberthür: Auch hier war Christian der Auslöser. Er hat mich nach Abschluss der Masterarbeit gefragt, ob ich Interesse hätte, seine Nachfolge am Lehrstuhl anzutreten, da er an die Audiencia Business School in Nantes wechselte. Ich hatte damals jedoch das Gefühl, ich müsse auch die praktische Berufswelt kennen lernen und daher ein Jahr lang ein Praktikum absolviert. Während dieses Praktikums wurde mir bewusst, wie sehr ich das wissenschaftliche Arbeiten vermisse. Insbesondere die kritische Reflexion über gesellschaftliche Themen und das Verfassen von Texten haben mir gefehlt. Als ich gegen Ende des Praktikums sah, dass beim Lehrstuhl von Professor Scherer erneut eine Doktorandenstelle ausgeschrieben war, habe ich mich sofort beworben.

JUMS: Womit befasst Du dich in deiner Promotion? Wie haben dir deine Erfahrungen aus der Masterarbeit beim Start in die Forschung geholfen?

Mischa Haberthür: Ich beschäftige mich mit den gesellschaftlichen Chancen und Risiken der Digitalisierung, insbesondere in Hinblick auf Big Data. Die Möglichkeiten zur Sammlung und Auswertung von Daten haben sich in den letzten Jahren revolutionär verändert. Das bietet enorm viel Potential für die Profitsteigerung von Unternehmen und für das Bekämpfen sozialer Probleme, wirft jedoch auch diverse ethische Fragen bezüglich der Grundrechte von Bürgern auf. Wie sich die Gesellschaft in den kommenden Jahren entwickeln wird, hängt im Wesentlichen davon ab, wie wir mit diesen Technologien umgehen.

Die Methoden, die ich bei der Masterarbeit kennen gelernt habe, sind für meine Forschung sicher nützlich, aber ich denke noch wichtiger ist die generelle Denk- und Arbeitsweise, die einem eine solche Arbeit vermittelt. Wissenschaftliches Arbeiten ist nicht etwas angeborenes. Es ist eine Fähigkeit und wie jede Fähigkeit kann bzw. muss sie trainiert werden. Insofern ist jede wissenschaftliche Arbeit die man schreibt, egal ob gut oder schlecht (und meine ersten Arbeiten im Bachelor waren zweifellos schlecht) ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung hin zum Forscher.

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, nun zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”

Mischa Haberthür: „… enorm viel Aufwand, enorm viel Stress und eine enorm befriedigende Erfahrung, die ich um nichts in der Welt hergeben würde.“

JUMS: Vielen Dank, lieber Mischa, für die interessanten Einblicke, wie Du zum Thema und der Entwicklung deiner Forschungsfrage gekommen bist. Wir würden dir für deine weitere wissenschaftliche Zukunft viel Erfolg!

2018-10-23T21:03:54+00:00