JUMS trifft … Sebastian Schär

JUMS trifft … Sebastian Schär

JUMS veröffentlicht nicht nur – wir recherchieren auch.

Regelmäßig treffen wir unsere JUMS-Autoren, aber auch Professoren und Wissenschaftler, und unterhalten uns über deren Abschlussarbeiten und bitten diese um wichtige Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten.

Heute haben wir uns dazu mit Sebastian Schär, Bachelor-Absolvent der Georg-August-Universität Göttingen, getroffen, dessen Bachelorarbeit „State-of-the-Art dynamischer Methoden zur multikriteriellen Entscheidungsunterstützung.”  in der 8. Ausgabe von JUMS veröffentlicht wurde.

Steckbrief: Sebastian Schär

Titel der Arbeit: State-of-the-Art dynamischer Methoden zur multikriteriellen Entscheidungsunterstützung

Art der Arbeit, Hochschule: Bachelorarbeit, Georg-August-Universität Göttingen

Aktuelle Tätigkeiten: Masterstudium in Unternehmensführung an der Georg-August-Universität Göttingen

JUMS-Ausgabe: Junior Management Science 3(3), 2018, 146-165

Artikel-Seite: https://jums.academy/s-schaer/

Interview

JUMS: Lieber Sebastian, State-of-the-Art dynamischer Methoden zur multikriteriellen Entscheidungsunterstützung: das klingt komplex – worum geht es in deiner Arbeit?

Sebastian Schär: Der Titel ist tatsächlich ein kleiner Zungenbrecher. Allgemein sollen Methoden der multikriteriellen Entscheidungsunterstützung Entscheidungsprozesse erleichtern, wenn mehrere, teilweise konkurrierende Zielsetzungen parallel verfolgt werden und mindestens zwei relevante Kriterien betrachtet werden. Besonders komplexe Entscheidungen unterliegen zudem sich ständig ändernden Annahmen und auch die Auswirkungen sind oftmals nicht vorhersehbar. Vor allem auf strategischer Ebene gibt es viele solcher Entscheidungsprobleme. Durch Anfertigung eines Literaturreviews habe ich in meiner Arbeit versucht, Methoden die diese Dynamik erfassen zusammenzutragen.

JUMS: In wenigen Worten: Was sind die Ergebnisse deiner Arbeit? Welche Implikationen für die Forschung haben sich ergeben?

Sebastian Schär: Ein relativ geläufiger Ansatz im Umgang mit Dynamiken von Entscheidungsprozessen sind Szenarien. Im Bereich der Technologiebewertung und bei Fragen rund um das Thema Energieversorgung kommt zudem die Lebenszyklusanalyse, sprich Ökobilanzierung mit ins Spiel.

Sehr spannend, aber vergleichsweise jung, ist zudem das Forschungsgebiet der DMCDA. Hier werden die Daten der aktuellen Entscheidungsfindung um Daten aus vergangenen Perioden und Zukunftsprognosen ergänzt. Ebenso kann man sich den Entscheidungsprozess nach diesen Ansätzen eher als iteratives Vorgehen vorstellen.

JUMS: Du verwendest in deiner Arbeit als Methodik einen Literature Review. Das ist oft auch ein Einstieg in tiefergehende Fragen, um sich zunächst ein breites Bild über den bestehenden Forschungsstand zu verschaffen. Baust du in künftigen Arbeiten darauf auf?

Sebastian Schär: Die Anfertigung des Reviews hat mir tatsächlich enorm dabei geholfen, Einblick in diese zugegebenermaßen recht abstrakt wirkende Thematik zu gewinnen. Nachdem in der Bachelorarbeit der Fokus auf der Theorie und der Darstellung von methodischen Ansätzen lag, konnte ich nun im Masterstudium diese Methoden in einigen Modulen zum Beispiel im Kontext der Standortplanung sowie Ökobilanzierung auch anwenden. Im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftige ich mich nun mit dem Thema Demand Response. Das baut zwar nicht direkt auf der Bachelorarbeit auf, entstammt aber ebenfalls dem Schnittpunkt aus Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Informatik.

JUMS: Literature Reviews sind häufig eine Fleißarbeit. Was waren für dich die größten Herausforderungen?

Sebastian Schär: Ich habe bei der Themenauswahl mit der MCDA ganz bewusst ein mir relativ unbekanntes Themengebiet gewählt, um möglichst viel an neuem Wissen zu gewinnen. Mein Betreuer hat von Anfang an sehr viel Wert auf eine konsistente Methodik gelegt, was mir den Suchprozess enorm erleichtert hat. Die größte Herausforderung war sicherlich, die Menge an relevanter Literatur zu zunächst neuen Themengebieten entsprechend aufzubereiten. Das hat bei 12 Wochen Bearbeitungszeit und 78 identifizierten Beiträgen wirklich viel Lesefleiß aber auch ein gutes Zeitmanagement erfordert.

JUMS: Du hast die für eine Einreichung bei unserem wissenschaftlichen Journal Junior Management Science entschieden. Was hat dich dazu motiviert?

Sebastian Schär: Ich wollte vor allem die Möglichkeit nutzen, durch das double-blind Verfahren weiteres Feedback zu meiner Arbeit abseits der eigenen Hochschule einzuholen. Zudem ist es eine spannende Erfahrung, abseits des Unialltags bereits als Student eine Arbeit einzureichen und eventuell sogar zu publizieren.

JUMS: Hat sich aus deiner Bachelorarbeit auch deine Mitarbeit als wissenschaftliche Hilfskraft bei der Professur für Produktion und Logistik ergeben? Bist du dort in die Forschung eingebunden?

Sebastian Schär: Bereits im vorherigen Bachelorstudium habe ich meinen Schwerpunkt auf den Bereich Produktion und Logistik gelegt. Als klar war, dass ich für den Master in Göttingen bleibe, habe ich mich direkt dort beworben. Tatsächlich sind wir als „HiWis“ auch direkt in die Forschung eingebunden und helfen unter anderem bei der Erstellung von Ökobilanzen oder der Bewertung von Energieversorgungssystemen. Thematisch ein super Anschluss an die Bachelorarbeit und es macht Spaß etwas Forschungsluft zu schnuppern.

JUMS: Wie geht es bei dir nach dem Master weiter – ist die Wissenschaft eine Option für dich?

Sebastian Schär: Das hat sich tatsächlich nach und nach als eine Option herauskristallisiert. Ich habe im Verlauf des Studiums gemerkt, dass mir das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten im Studium am meisten Spaß macht und auch die Einblicke, die ich durch die Tätigkeit als studentische Hilfskraft gewinnen konnte, haben Lust auf mehr gemacht. Ebenso könnte ich mir aber auch vorstellen, in der freien Wirtschaft im Bereich Operations Research oder Supply Chain Management zu arbeiten.

JUMS: Zum Abschluss des Gesprächs gibt es bei uns immer einen kleinen Ergänzungssatz, den wir dich bitten würden, nun zu vervollständigen: “Eine Abschlussarbeit zu schreiben, bedeutete für mich…”

Sebastian Schär: …klares, methodisches Vorgehen zu erlernen und bei der Themenwahl ganz bewusst die Komfortzone zu verlassen.

JUMS: Vielen Dank, lieber Sebastian, für die interessanten Einblicke, wie Du zum Thema und der Entwicklung deiner Forschungsfrage gekommen bist. Wir würden dir für deine weitere Zukunft viel Erfolg!

2018-11-13T09:39:15+00:00